Zitate zum Thema Übersetzen

Zitate zum Thema Übersetzen von Autoren und ihren Übersetzern

Zitate zum Thema Übersetzen - Sankt Hieronymus
Sankt Hieronymus (347-420)  Schutzpatron der Übersetzer
  • Rabbi Jehuda (2. Jh. n. Ch.) Quelle: Stefan Schreiner (2012), ‚Jewish-Christian Relations‘ Wissenschaftliche Beiträge (544):

    Wer einen Schriftvers wörtlich übersetzt, ist ein Lügner, und wer hinzufügt, ist ein Verleumder und Gotteslästerer.

  • Martin Luther (1483-1546), deutscher Theologe, Reformator und Übersetzer. Quelle: „Tischreden“

    Wirklich übersetzen heißt: etwas, das in einer andern Sprache gesprochen ist, seiner Sprache anpassen.

  • Martin Luther wieder, Quelle: Sendbrief vom Dolmetschen (1530)

    Ich habe mich des beflissen im Dolmetschen, dass ich rein und klar Deutsch geben möchte. Und ist uns sehr oft begegnet, daß wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben ein einziges Wort gesucht und gefragt, haben’s dennoch zuweilen nicht gefunden.

  • Georg Christoph Lichtenberg (1742-1799), deutscher Aphoristiker und Physiker. Quelle: Aus den „Sudelbüchern“, 1800-1806

    Ist es nicht sonderbar, daß eine wörtliche Übersetzung fast immer eine schlechte ist? Und doch läßt sich alles gut übersetzen. Man sieht hieraus, wie viel es sagen will, eine Sprache ganz verstehen; es heißt, das Volk ganz kennen, das sie spricht.

  • Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832), deutscher Dichter. Quelle: „German romance“ Edinburgh, 1827

    Und so ist jeder Übersetzer anzusehen, Dass er sich als Vermittler dieses allgemein-geistigen Handels bemüht und den Wechseltausch zu befördern sich zum Geschäft macht. Denn was man auch von der Unzulänglichkeit des Übersetzens sagen mag, so ist und bleibt es doch eines der wichtigsten und würdigsten Geschäfte in dem allgemeinen Weltverkehr.

  • Goethe wieder: (Quelle: Maximen und Reflexionen, 1826)

    Übersetzer sind als geschäftige Kuppler anzusehen, die uns eine halb verschleierte Schöne als höchst liebenswürdig anpreisen: Sie erregen eine unwiderstehliche Neigung nach dem Original.

  • Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), deutscher Dichter und Übersetzer. Quelle: Briefe, die neueste Literatur betreffend. 1759-1765

    Man muss, überhaupt zu reden, den Übersetzungen, die uns aus der Schweiz kommen, das Lob lassen, Dass sie treuer und richtiger sind als andere. Sie sind auch ungemein reich an guten nachdrücklichen Wörtern, an körnichten Redensarten.

  • Wilhelm von Humboldt (1767 – 1835) Quelle: Brief an A.W. Schlegel vom 23. Juli 1796, zitiert nach W. Koller (2011) Einführung in die Übersetzungswissenschaft. UTB, 8. Auflage, S. 161.

    Alles Übersetzen scheint mir schlecterdings ein Versuch zur Auflösung einer unmöglichen Aufgabe. Denn jeder Übersetzer muss an einer der beiden Klippen scheitern, sich entweder auf Kosten des Geschmacks und der Sprache seiner Nation zu genau an sein Original oder auf Kosten seines Originals zu sehr an Eigentümlichkeiten seiner Nation halten. Das Mittel hierzwischen ist nicht bloß schwer, sondern geradezu unmöglich.

  • Friedrich Schleiermacher (1768-1834), Theologe und Pädagoge. Quelle: Ueber die verschiedenen Methoden des Uebersezens, 1813

    Entweder der Uebersezer läßt den Schriftsteller möglichst in Ruhe, und bewegt den Leser ihm entgegen; oder er läßt den Leser möglichst in Ruhe und bewegt den Schriftsteller ihm entgegen. Beide sind so gänzlich von einander verschieden, daß durchaus einer von beiden so streng als möglich muß verfolgt werden, aus jeder Vermischung aber ein höchst unzuverlässiges Resultat nothwendig hervorgeht, und zu besorgen ist daß Schriftsteller und Leser sich gänzlich verfehlen.

  • Ludwig Wittgenstein (1889-1951), österreichischer Philosoph. Quelle: „Tractatus logico-philosophicus“ Satz 5.6. Seite 118. London, 1922

    Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

  • Virginia Woolf (1882-1941), englische Schriftstellerin. Quelle: Famous quotes about translation

    Humour is the first of the gifts to perish in a foreign tongue.

  • Kurt Tucholsky (1890-1935), deutscher Journalist und Schriftsteller. Quelle: Kritiken und Rezensionen, 1927. Über eine Übersetzung von James Joyce’s „Ulysses“:

    Das ist nichts. Das ist tot. Das hat keine Musik, tönt nicht, die Worte sind, wie Jacobsen das einmal ausgedrückt hat, »aus dem Wörterbuch« genommen; sie sind richtig, ja ja – aber es schwingt nichts unterhalb der Prosa, die Sprachmelodie fehlt. So geht das durch das ganze Buch. Seine Sprache ist stumpf.

Siehe auch A. Payer, ‚Blütenlese von Zitaten deutschsprachiger Schriftsteller zu den Problemen des Übersetzens‘ und ‚Gutzitiert‚.